Vom guten alten Könnensstufenmodell sind wir gewohnt, das KÖNNEN im Windsurfen daran zu messen, welche Manöver jemand kann. Das ist aus zwei Gründen problematisch:
1. Die sichere Zuordnung zu einer Könnensstufe fällt schwer, weil keiner so recht zu sagen vermag, ob man ein, zwei oder alle Manöver einer Könnensstufe beherrschen muß, um "dazu zugehören". Mit der Aussage: "Ich bin so zwischen Könnensstufe 3 und 5" kann man aber beim besten Willen nicht viel anfangen.
2. Der Begriff KÖNNEN ist dehnbar. Der eine meint, er kann die Powerhalse, wenn er das erste Mal um die Ecke geschaukelt ist, ohne ins Wasser zu fallen. Der Andere denkt, er kann die Powerhalse nicht, weil Dunki schneller um die Tonne halst als er.
Im SKILLSYSTEM wird nun der Begriff KÖNNEN nicht mehr an einzelne Manöver gekoppelt, sondern an drei bzw. vier grundlegende, surferische Fähigkeiten, die SKILLS:
Wie gut jemand Rigg und Brett kontrollieren kann, und wie gut er sich windsurfspezifisch orientiert, ist - unabhängig von bestimmten Manövern - leicht zu beurteilen. Da die einzelnen SKILLS voneinander unabhängig sind, ergibt sich für jeden Surfer ein individuelles Profil seiner Fähigkeiten - das SKILLPROFIL. Wie das individuelle KÖNNEN kann man mit Hilfe der SKILL-LEVELS die Lernvoraussetzungen für alle Manöver charakterisieren. Der Vergleich von individuellem SKILLPROFIL und MANÖVERPROFIL zeigt, ob und bei welchen SKILLS noch Lücken bestehen. Sind bei keinem der SKILLS Lücken vorhanden, ist es in der Regel unproblematisch, in klassischem, manöverorientierten Unterricht Lernerfolge zu erzielen. Es kann aber auch gut sein, daß bei einem oder mehreren SKILLS größere Lücken klaffen. Dies wäre zum Beispiel bei dem beliebten Gast der Fall, der zwar die Powerhalse lernen will, aber die Fußschlaufen bisher allenfalls zum Tragen des Brettes benutzen kann. Entweder wird versucht, gemeinsam mit dem Schüler ein Manöver (Lernziel) zu finden, das besser zu seinem aktuellen SKILL-LEVEL paßt, oder man versucht in gezieltem Grundlagenunterricht die SKILLS manöverunabhängig zu entwickeln. Gerade im Funboardunterricht besteht ein Problem darin, daß viele Schüler glauben, Lernfortschritte nur bei Gleitwind machen zu können. Es ist leichter zu akzeptieren, warum man z.B. auf einem bisher verschmähten Longboard in Lee fahren soll, wenn man weiß, daß Riggkontrolle ein wichtiges Element seines Wunschmanövers ist.
Eigentlich gemein: Je besser man im Windsurfen wird, um so dünner sind scheinbar die Erfolgserlebnisse gesät. Es gibt viele Menschen, die zwei der drei Kurse gemacht haben, um die verdammte Powerhalse zu lernen, und dann mangels Erfolg den Sport an den Nagel gehängt haben. Dabei ist es meist gar nicht so, daß diese Leute im Kurs nichts dazugelernt hätten. Sie konnten ihre Fortschritte nur nicht wahrnehmen, weil sie Lernen außschließlich mit Manöver verbunden haben. Das SKILLSYSTEM gibt Surfern die Möglichkeit, Lernerfolge auch unabhängig von Manövern zu erleben und als Entwicklung ihres SKILLPROFILS sichtbar mitzunehmen.
Die Materialentwicklung der letzten Jahre orientierte sich am Worldcup, und die damit verbundenen Werbestrategien gingen leider am Surfervolk nicht spurlos vorbei. Dadurch verlangen Gäste oftmals Material, das ihre Fähigkeiten überfordert. In unserem System können wir auch den Charakter der Bretter als BOARDPROFIL ermitteln. Auch hier zeigt dann der Vergleich zwischen individuellem SKILLPROFIL und BOARDPROFIL, ob das Brett "paßt" oder eher nicht, denn mit dem richtigen Material macht Surfen erst wirklich Spaß.
Zugegeben, guter Fortgeschrittenenunterricht ist nicht einfach. Vor allem windunabhängiges Arbeiten und Unterrichtsformen wie das SKILLTRAINING erfordern einige Erfahrung und ein umfangreiches Übungsrepertoire. Als Hilfe wurde eine Übungssammlung (ca. 200 Übungen) sowohl für das SKILLTRAINING als auch für den manöverorientierten Unterricht erarbeitet.
Das SKILL-System soll zunächst von speziell ausgebildeten Lehrern getestet werden. VDWS-Schulen, die daran interessiert sind das System einzusetzen, können gratis ein Demopaket anfordern. Inhalt: Beschreibung des Systems - Tips für die Einführung - 1 SKILLPROFIL-Folie - 1 Satz Manöversteckbriefe (12 Stck) - SKILL-LEVEL-Beschreibungen.
| 1. Bei leichtem Wind das Brett in Fahrt ruhig halten |
| 2. Bei Leichtwind die Brettlage gezielt beeinflussen |
| 3. Anluven und Abfallen mit Brettsteuerung - auf Semifloater geradeaus fahren |
| 4. Bei Mittelwind auf Long- und Shortboard gleiten |
| 5. Bei Mittelwind Kurven durch Brettsteuerung einleiten |
| 6. Bei Mittelwind Kurven im Gleiten fahren - bei Starkwind Brett ruhig halten |
| 7. Bei Stark- und Mittelwind Kurven fahren |
| 8. Bei Mittelwind gezielt unterschiedliche Kurven fahren |
| 9. Kurvengeschwindigkeit und Radius situativ anpassen |
| 10. Kurvengeschwindigkeit und Radius auch bei Starkwind und Brandung situativ anpassen |
| 1. Das Rigg sicher tragen, ablegen, aufrichten |
| 2. Bei Leichtwind den Segelzug kontrollieren |
| 3. Bei Leichtwind sicher mit dem Rigg steuern |
| 4. Bei Mittelwind sicher Kurs halten, steuern - Riggrotationen |
| 5. Bei Mittelwind mit sauber angeströmten Segel fahren |
| 6. Bei Mittelwind Riggrotationen - entspannt im Trapez fahren |
| 7. Bei Mittelwind mit optimaler Riggposition fahren |
| 8. Bei Starkwind Rigg sicher kontrollieren - Kurven mit angeströmten Segel |
| 9. Überpowertes Rigg bei Starkwind in Kurvenfahrt kontrollieren |
| 10. Überpowertes Rigg auch in Wellen und jeder Situation kontrollieren |
| 1. Windrichtung erkennen solange das Brett keine Fahrt hat |
| 2. Mit optischer Orientierung Kurs halten |
| 3. Ziele in Luv durch Kreuzen erreichen |
| 4. Windrichtung auch nach Stürzen erkennen |
| 5. Kurs ohne ständige optische Kontrolle halten |
| 6. Böen erkennen und in Speed umsetzen |
| 7. Im Flachwasser optimalen Manöverraum kennen und nutzen |
| 8. In der Brandung optimalen Manöverraum kennen und nutzen |
| 9. Winddreher erkennen und in optimale Luvgeschwindigkeit umsetzen |
| 10. In chaotischer Brandung Strömung erkennen und nutzen |
| 1. Für Sprünge geeignete Wellen erkennen |
| 2. Absprung aktiv unterstützen - Augen offen |
| 3. Scheitelpunkt des Sprungs wahrnehmen - gezielt mit Heck landen |
| 4. Verhindern das Brett anluvt - bei Landung kein Spinnout |
| 5. Brett in der Luft steuern - kleine Sprünge mit Nosedive |
| 6. Hohe und weite Sprünge |
| 7. Bei kleinen Sprüngen im Trapez bleiben |
| 8. Bei hohen Sprüngen Augen auf und Nosedive |
| 9. Teile von Rotationssprüngen optisch kontrollieren |
| 10. Rotationssprünge optisch kontrollieren |